4. Diskussion am 20. Juni 2011: Die Arabischen Revolutionen – wie weiter?

4. Diskussion im Rahmen der Systemwechsel!-Reihe:
Die Arabischen Revolution – wie weiter?

am Montag, 20. Juni 2011 um 19:00 Uhr
im Institut für Wissenschaft und Kunst (IWK)
Berggasse 17/1, 1090 Wien

Kaum jemand hätte vor 2 Jahren die massiven Bewegungen für möglich gehalten, die seit Ende 2010 die Regimes der gesamten Region erschüttern. So unterschiedlich die Aufstände in den verschiedenen Ländern auch waren, allesamt forderten sie die autokratischen Herrscher heraus und stürzten diese teilweise auch. Waren soziale, ökonomische und politische Aspekte gleichermaßen wesentlich für die unterschiedlichen Bewegungen, so wurde durch die geballte Macht der westlichen Regierungen, Medien und letztlich auch Kampfflugzeugen die „gewünschte“ Linie wiederhergestellt; seither geht es – zumindest dem Westen – um die Etablierung einer „Demokratie“ nach westlichem Vorbild. Aber die Geschichte ist auch im arabischen Raum nicht zu Ende.

Welche AkteurInnen waren und sind in den unterschiedlichen Ländern aktiv? Welche Rolle spielen Frauen, welche feministische Forderungen in den Bewegungen? Welche Perspektiven gibt es jenseits der westlich-parlamentarischen politischen Form? Wie stellt sich die ökonomische Dimension der Bewegungen dar? Welche Gefahr stellen westlich-imperiale Interessen einerseits und religiös-fundamentalistische andererseits für eine emanzipatorische Entwicklung der Bewegungen dar? Und welche Einflüsse und Wechselwirkungen gibt es – nicht zuletzt angesichts der globalen Dimension der Krise – zwischen den Arabischen Revolutionen und den Widerständen gegen die Zumutungen des Kapitalismus in anderen Teilen der Welt?

Es diskutieren:

Ramin Taghian – Historiker mit Schwerpunkt Mittlerer Osten, Mitglied der Gruppe Perspektiven-Magazin für linke Theorie und Praxis, und AGMO-Arbeitsgruppe Mittlerer Osten (Wien)

Fawwaz Traboulsi – Professor für Geschichte und Politik an der Lebanese American University in Beirut, langjähriger politischer Aktivist im Libanon

ACHTUNG: Vorträge und Diskussion finden in englischer Sprache statt!

Hintergrundtexte:

Wir sind auf dem Weg in ein neues Zeitalter. Über die arabischen Aufstände, die Anforderungen der Zukunft und die Rolle der Linken. Interview von Martin Glasenapp mit Fawwaz Traboulsi

Gruppe Perspektiven, Ramin Taghian: Ägypten – The Revolution was Televised


Herzlich Willkommen zum Systemwechsel!

Systemwechsel ist die aktuelle Theoriekampagne des European Network Against Racism Austria (ENARA). Beginnend im März 2011 veranstaltet ENARA gemeinsam mit anderen KooperationspartnerInnen eine Diskussionsreihe am Wiener Institut für Wissenschaft und Kunst (IWK) zu möglichen gesellschaftlichen Formen jenseits von Kapitalismus und Nationalstaat.

Unterschiedlichste Stränge der aktuellen Debatte um alternative Vergesellschaftungsformen (u.a. Solidarische Ökonomie, Globale Soziale Rechte, Commons, neue Organisierungsformen) sollen dabei miteinander in Diskussion gebracht werden, ihre Gemeinsamkeiten, aber auch ihre Differenzen und Probleme beleuchtet werden – und zwar insbesondere aus antirassistischem Blickwinkel. Für den Herbst 2011 ist dazu sowohl eine Konferenz als auch ein Sammelband geplant.

2. Diskussion am 27. April 2011: Andere Ökonomie: Commons/Gemeingüter!

2. Diskussion im Rahmen der Systemwechsel!-Reihe:
Andere Ökonomie: Commons/Gemeingüterwirtschaft!


am Mittwoch, 27. April 2011 um 19:30 Uhr
im Institut für Wissenschaft und Kunst (IWK)
Berggasse 17/1, 1090 Wien

Eine Gesellschaft ohne Rassismus und Ausbeutung ist in ihrer ökonomischen (und ökologischen) Grundlegung nur jenseits des Kapitalismus vorstellbar. Langezeit galt eine mehr oder weniger zentrale Planwirtschaft als Patentmodell nachkapitalistischer Ökonomie. Die gescheiterten „realsozialistischen“ Experimente zwangen uns zum Überdenken dieses Dogmas. Im Zuge der Debatten um eine „Solidarische Ökonomie“ sowie aus dem Kontext der „Open-Source“-Bewegung von ComputeraktivistInnen wurden in letzter Zeit intensive Diskussionen um eine Ökonomie der Commons, der Gemeingüter geführt.

Im Rahmen unserer Diskussion soll ausgelotet werden, welche Chancen, aber auch Risken, eine nichtkapitalistische Ökonomie basierend auf Commons für eine Überwindung gesellschaftlicher Herrschaftsverhältnisse mit sich bringen kann. Besonderes Augenmerk soll dabei auf die Rolle sozialer Bewegungen und Kämpfe gerichtet werden, die ja eine Commons-basierte Wirtschaft erst Wirklichkeit werden lassen und dabei gleichzeitig deren chauvinistisches bzw. neokoloniales Potenzial bekämpfen müssen.

Es diskutieren:

Brigitte Kratzwald, Sozialwissenschafterin und Commons-Aktivistin. Sie betreibt die Seite www.commons.at und lebt in Graz.

Massimo DeAngelis, Professor für Politische Ökonomie an der University of East London. Seine Forschungsschwerpunkte sind Globalisierung, Werttheorie und soziale Bewegungen. 2006 veröffentlichte er „The Beginning of History. Value Struggles and Global Capital“. DeAngelis ist Herausgeber des Web-Journals „The Commoner“ und lebt in Monchio (Italien).

ACHTUNG: Vorträge und Diskussion finden in englischer Sprache statt!

Hintergrundtexte:

Brigitte Kratzwald: Gemeingüter – das Leben selbst in die Hand nehmen

Massimo De Angelis: Reflections on alternatives, commons and communities

Systemwechsel! Für ein gutes Leben für Alle!

Systemwechsel: Ein gutes Leben für alle!
Politik, Ökonomie & Naturverhältnisse gemeinsam gestalten


Die gegenwärtige Krise ist nicht nur eine der kapitalistischen Weltwirtschaft, sondern auch eine der politischen Repräsentation und gesellschaftlicher Naturverhältnisse. Die Welt befindet sich in einer Transformationsperiode, in der die grundlegenden Steuerungsmechanismen des „langen 20. Jahrhunderts“ (Eric Hobsbawm) nicht mehr greifen.

Die Geschichte war 1989 nicht zu Ende, vielmehr war ab Beginn des 21. Jahrhunderts sowohl ein neuer Aufschwung sozialer Bewegungen (aller voran der globalisierungskritischen Bewegung und jener gegen die neuen imperialen Kriege) zu verzeichnen als auch eine zunehmende Erosion ökonomischer und politischer Regulationsmechanismen. Nationalstaatliche Interventionen sind nur noch – wie wir gerade sehen – im Rahmen der Wiederherstellung neoliberal-kapitalistischer Verwertungsimperative denkbar. Die Krise wird sowohl auf ökonomischer als auch auf politischer Ebene dabei auf dem Rücken der breiten Bevölkerungsmehrheit ausgetragen. Traditionelle Formen politischer Gegenmacht wie Parteien und Gewerkschaften bleiben überwiegend in ihren gewohnten – nationalstaatlichen und/oder protektionistischen – Denk- und Handlungsmustern gefangen und sind so kein Mittel einer weitreichenden gesellschaftlichen Transformation in Richtung einer umfassenden Demokratie.

Nach Jahren der Kritik des neoliberalen Kapitalismus hat sich der kritische Diskurs in letzter Zeit verstärkt dem Nachdenken über gesellschaftliche Alternativen zugewandt. Debatten wie jene um einen neuen Gesellschaftsvertrag, über eine alternative Klima- und Umweltpolitik, praktische und theoretisches Engagement für eine Solidarische Ökonomie und einen nachhaltigen und nicht-kapitalistischen Umgang mit Commons (Gemeingütern), aber auch die Diskussionen über das Bedingungslose Grundeinkommen zielen, bei all ihrer Unterschiedlichkeit und manchmal auch gegenseitiger Kritik, auf eine neue breite Debatte über „konkrete Utopien“ (Ernst Bloch). Diese Debatte kann sich nicht mehr auf die – gescheiterten – Experimente des „realen Sozialismus“ beziehen, sondern muss, entsprechend der postfordistischen Transformation des globalen Kapitalismus, neue und andere Formen von Organisierung und Vergemeinschaftung, kurzum neue, post-kapitalistische Zusammenhänge von Ökonomie, Ökologie und Politik erfinden und auch gesellschaftlich wirkmächtig werden lassen.

Das European Network Against Racism Austria möchte im Rahmen einer Veranstaltungsreihe den Horizont antirassistischer Theoriebildung erweitert. Antirassismus, der seine theoretische Fundierung lediglich aus der Beschäftigung mit Migrationsbewegungen und Rassismusanalysen bezieht, kann kaum eine Perspektive auf eine Welt ohne Rassismus entwickeln. Diese bildet jedoch letztlich den Horizont einer emanzipatorischen antirassistischen Politik. Deshalb möchten wir im Rahmen der Reihe verschiedene Stränge der neuen Alternativendiskussion vorstellen und kritisch miteinander in Beziehung setzen, und zwar sowohl ökonomische und politische aber auch ökologische und organisierungstheoretische Debatten.

Im Rahmen der Veranstaltungsreihe sollen unterschiedliche Debattenstränge zu alternativen, nicht-kapitalistischen Gesellschaftsmodellen und Vergemeinschaftungsweisen zusammengeführt bzw. problemorientiert einander angenähert werden. Exemplarisch seien genannt:  Solidarische Ökonomie, Gemeingüter, neue Vertragstheorien, Wissensallmende, neuer Geschlechtervertrag, Wirtschaftsdemokratie, Soziale Infrastruktur, u.s.w. Dabei soll besonderes Augenmerk auf ihre Konvergenzen, aber auch auf ihre Grenzen und Widersprüche gelegt werden. In vier Abendveranstaltungen sollen ExpertInnen und AktivistInnen verschiedener Themengebiete jeweils zwei Themenfelder miteinander in Bezug miteinander setzen.

Die Themenblöcke der Abendveranstaltungen:

- Anders Wirtschaften! (Solidarische Ökonomie, Commons [Gemeingüter], Massenintellektualität)
- Andere Sozialpolitik! (Bedingungsloses Grundeinkommen, Soziale Infrastruktur, Energiegrundsicherung)
- Anderes Klima! (Klimagerechtigkeit, Green New Deal, Peak Oil)
- Anders Organisieren! (Neue Organisierungsformen, Best Practice Beispiele aus Lateinamerika)

3. Diskussion am 26. Mai 2011: Andere Sozialpolitik!

3. Diskussion im Rahmen der Systemwechsel!-Reihe:
Andere Sozialpolitik: Energiegrundsicherung und Bedingungsloses Grundeinkommen!


am Donnerstag, 26. Mai 2011 um 19 Uhr
im Institut für Wissenschaft und Kunst (IWK)
Berggasse 17/1, 1090 Wien

Im Kapitalismus bedeutet Sozialpolitik immer auch Kontrolle der Bevölkerung. Leistungen, wie z.B. die „Bedarfsorientierte Mindestsicherung“, sind nach wie vor an die unbedingte Bereitschaft zum Verkauf der eigenen Arbeitskraft gekoppelt. Darüber hinaus liefert der neoliberale Drang zu Privatisierung und Vermarktlichung elementare Bedürfnisse vor allem armer Menschen zunehmend den asozialen Kräften des Marktes aus.

Der Zwang zur Annahme jeder auch noch so schlechten und schlecht bezahlten Arbeit verbindet sich mit Verteuerungen bei oft gleichzeitiger Verschlechterung sozialer bzw. infrastruktureller Leistungen (Energie, öffentlicher Verkehr, …). Mit dem Bedingungslosen Grundeinkommen und dem Konzept „Energiegrundsicherung“ soll diesen Tendenzen entgegen gewirkt werden, sowohl auf monetärer Ebene als auch auf jener nicht-monetärer Leistungen. Beide Konzepte eröffnen Spielräume für eine Demokratisierung gesellschaftlicher Mitbestimmungsprozesse und stellen somit bessere Bedingungen um die Wiederaneignung gesellschaftlichen Reichtums her. Die Verbindungen und Anknüpfungspunkte der beiden Konzepte/Forderungen/Bewegungen sollen ebenso diskutiert werden wie ihre Begrenzungen und Unvereinbarkeiten.

Es diskutieren:

Melina Klaus, Erwachsenenbildnerin und Bundessprecherin der Kommunistischen Partei Österreichs

Karl Reitter, Aktivist des „Netzwerk Grundeinkommen und sozialer Zusammenhalt“ und Redakteur der grundrisse.zeitschrift für linke theorie & debatte

Hintergrundtexte:

KPÖ: Eine kostenlose Energiegrundsicherung ist notwendig und finanzierbar

Karl Reitter: Grundeinkommen als Recht in einer nachkapitalistischen Gesellschaft

1. Diskussion am 23. März 2011: Anders Organisieren!

1. Diskussion im Rahmen der systemwechsel!-Reihe:
Anders Organisieren am Beispiel Lateinamerikas

am 23.3.2011, um 19 Uhr
im Institut für Wissenschaft und Kunst (IWK)
Berggasse 17/1, 1090 Wien

Thema ist das Verhältnis von sozialen Bewegungen und progressiven Regierungen in Lateinamerika bzw. die neuen Formen von Organisierung, die dieses Verhältnis mit sich bringt. Angesichts der Krise der repräsentativen Demokratie sind diese Organisierungs- und Bewegungsprozesse wohl die derzeit spannendsten Beispiele für eine mögliche Überwindung der organisatorischen Schwäche der emanzipativen Kräfte. Dabei bringt uns Revolutionsromantik ebenso wenig weiter wie ein einfaches Kopieren der lokal und regional gewachsenen lateinamerikanischen Beispiele, dennoch bieten diese in methodischer wie organisationspraktischer Hinsicht viele Anknüpfungs- und Diskussionspunkte für einen sich als transnational verstehenden Kampf für eine Gesellschaft ohne Rassismus, Unterdrückung und Ausbeutung.

Es diskutieren:

Helge Buttkereit, Journalist, u.a. Autor des 2010 erschienenen Bandes „Utopische Realpolitik – Die Neue Linke in Lateinamerika“

Friederike Habermann, Ökonomin und Historikerin, Autorin u.a. von „Aus Not eine andere Welt. Gelebter Widerstand in Argentinien“  (2004)  und „Halbinseln gegen den Strom. Anders leben und wirtschaften im Alltag“ (2009)

Moderation: Martin Birkner (ENARA, grundrisse.zeitschrift für linke theorie & debatte)

Hintergrundtexte:

NEU: Helge Buttkereit: Thesen zum Thema “Anders Organisieren”

Helge Buttkereit zur “Neuen Linken” in Lateinamerika

Friederike Habermann über “Gemeinwesenorientiertes Wirtschaften”, aber auch Selbstorganisierung in Argentinien

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